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Getragen werden – sich tragen lassen

Am 24. August 2001 gelang es den Piloten einer A330, die von Toronto nach Lissabon unterwegs war, 20 min nach komplettem Triebwerksausfall, 120 km quasi als Segelflugzeug aus einer Reisehöhe von ca. 9.100 m doch noch den Militärflugplatz Lajes Field auf der Azoreninsel Terceira zu erreichen und auf der Startbahn zum Stehen zu kommen. Die Kraftstoffleitung war gebrochen und ein Leck entstanden. Was hat das mit der Ehe zu tun?

Bildquelle: https://pixabay.com/de/photos/flugzeug-propeller-fl%C3%BCgel-flug-1499171/

Bei der Hochzeit versprechen die Brautleute einander: „Vor Gottes Angesicht nehme ich dich an
als meinen Mann/meine Frau. Ich verspreche dir die Treue in guten und bösen Tagen, in Gesundheit und Krankheit, bis der Tod uns scheidet.
Ich will dich lieben, achten und ehren alle Tage meines Lebens…“ Mit anderen Worten: Ich binde
mein Lebensschicksal so an deines, dass ich auch dann zu Dir stehe, wenn Du mir zur Last wirst.
Nach christlichem Eheverständnis ist eine Ehe kein Egoismus zu zweit, dem man so lange huldigen könnte, wie beide etwas davon haben. Wenn die Belastung zu einseitig wird, darf man den anderen fallen lassen. Empfangene Treue ist Gewinn an Lebensqualität und schenkt Sicherheit. Gerade im Alter kommt es häufig zu der Situation, dass einer von beiden zum Pflegefall wird, und auf den anderen jede Menge Mehrbelastung zukommt. Reife Liebe kann auch ertragen!
Eine Frau, die sich jahrzehntelang z.B. als Krankenschwester für andere eingesetzt hat, kann regelrecht Schuldgefühle entwickeln, wenn sie nun angewiesen ist auf die Pflege durch andere. Aber das verkompliziert nur das Miteinander.
Dankbar demütig die Hilfe anzunehmen, darf gelernt werden. Letztlich ist es doch egal, ob man geliebt wird oder liebt – Hauptsache die Liebe kann fließen.

Aber nicht nur im Alter kann das Ertragen des Partners zur Herausforderung werden: monatelange
Erschöpfungsdepressionen, Burn out … Aus zwei Ehepartnern werden dann der Pfleger und der Patient. Wichtig in solchen Phasen ist es für den gesunden Partner, dass er sich verständnisvolle Gesprächspartner sucht, bei denen er immer wieder sein Herz ausschütten kann und Mithelfer in der Pflege, dass er zu seinen Erholungsphasen kommt. Das A und O ist eine tabufreie Kommunikation. Pater Kentenich hat von Anfang an betont, wie wichtig es ist, die Sprache des Herzens zu lernen und zu praktizieren. In seiner Antrittsrede als Spiritual 1912 sagte er den damaligen Schülern: „Es darf nicht mehr vorkommen, dass wir verschiedene fremde Sprachen entsprechend dem Klassenziele beherrschen, aber in der Kenntnis, im Verständnis der Sprache unseres Herzens die reinsten Stümper sind… Vor allem müssen wir uns an eine freie,… unserm Bildungsgrade entsprechende, gegenseitige
Aussprache gewöhnen.“ Als Christen haben wir noch zusätzlich die Möglichkeit füreinander Fürbitte zu halten. Viele können bestätigen, dass sie sich in schwierigen Zeiten getragen gefühlt haben und nicht seelisch ins Bodenlose abgestürzt sind, weil sie wussten, dass andere für sie beten. Es gibt Phasen im Leben, da dürfen wir uns ohne schlechtes Gewissen oder falsche Schuldgefühle von anderen und von Gott tragen lassen.

Für unser Leben als Paar
– Wer von uns trägt gerade, wer wird getragen? Komme ich mit meiner Rolle zurecht? Was bräuchte ich, um damit besser zurecht zu kommen?
– Haben wir Zeiten, Orte und Projekte eingeplant, an denen wir uns beide freuen können und Kraft schöpfen, und das Verhältnis Pfleger und zu Pflegender aufgehoben ist.
– Wenn wir beide gleichzeitig „Tragende“ und „Getragen werdende“ sein dürfen, fragen wir uns, gibt es ein Ehepaar, das unsere Hilfe brauchen könnte in Gebet oder Tat?

Für unser Leben mit Gott
– Wie können wir unser Vertrauen in ihn und sein Mitgehen mit uns stärken, dass wir in schwierigen Situationen nicht an ihm irre werden?


Guter Gott, in Verbindung mit dir können wir uns lieben und zueinander
halten, auch wenn es schwer wird. Wir bitten dich nur um eines: Bleib
bei uns, schieb deine Schultern unter unser Kreuz, trag mit. Öffne neu
unsere Augen für das Gute um uns, dass wir daraus Kraft und Freude
ziehen, um durch das Schwere durchzukommen. Amen.

Ein Beitrag von P. Elmar Busse – Ehepaar Newsletter 09/2026