Sendungsfeier des Kurses XV der Akademie für Ehe und Familie
Schönstatt – 11. November 2018

Fünf Ehepaare erhielten von Bischof Dr. Sephan Ackermann das Zertifikat als Ehe- und Familientrainer (Foto: Brehm)
„Dich sehen.
Sich auf den anderen einlassen.
Einander suchen, miteinander gehen, zueinander stehen, ständig Fühlung halten.
Gemeinsam in die gleiche Richtung schauen.
Im Augenblick…berühren sich unsere Seelen.“
Vielleicht kennen Sie das aus ihrer Partnerschaft:
Er: „Als Mann fällt es mir oft schwer, ohne eine „Nebenbeschäftigung“ zu 100% zuzuhören und in´s Gespräch zu kommen. Das ist anstrengend und ich fühle mich nicht wohl…“
Sie: „Ich als Frau wünsche mir mehr Zeit zum Gespräch, ohne, dass ER ständig Ablenkung sucht. Ich sollte doch wichtig genüg sein…?“

Manchmal hilft eine kleine, gemeinsame Nebenbeschäftigung wie zB Spazierengehen, Autofahren, oder sogar die Küchenarbeit um die guten Gespräche als Paar zu beginnen. Wir blicken in die gleiche Richtung, beschäftigen uns mit einer monotonen körperlichen Arbeit, aber sich im Geiste offen und frei für die Worte des anderen. So gelingt es vielleicht leichter um mit Interesse nachzufragen, was wirklich auf dem Herzen liegt oder wofür tagsüber noch keine Zeit war. Wir merken dann: ich bin meinem Partner wichtig! Dabei geht es vor allem um den Austausch und die Ergänzung als Paar. Wenn wir uns öffnen, zeigt sich Deine ganze Größe und Schönheit. Und zudem: Wenn sich unsere Seelen berühren, begegnen wir Gott und wir spüren seine Nähe und Zuneigung.
Fragen für das Paargespräch:
Gerade kommt das Thema Beten immer wieder bei uns auf. Es steckt für uns die Sehnsucht dahinter, wie eine lebendige Beziehung zu Gott gelingt. Das betrifft uns als Einzelperson, aber auch als Paar. Durch ein kurzes aber gutes Gespräch mit einer Schönstätter Marienschwester bekamen wir wertvolle Denkanstöße.
Wer ist mein Gegenüber, wenn ich bete? Welches Bild oder Symbol ist mir dabei wichtig? Wie schaffe ich Atmosphäre?
Wann bete ich? Gibt es Rituale, die mir helfen zur Ruhe zu kommen?

Tipp: Sucht euch einen „Klick“, also einen Art Auslöser oder Anker im Alltag, z.B. wenn die Kinder ihren Mittagsschlaf machen, im Auto auf dem Weg zur Arbeit, beim Zähneputzen, vor dem Herrgottswinkel, kurz vor dem Schlafen, …
In der heutigen Zeit zu zweit können folgende Fragen zu Gespräch anregen:
Tipp: Beten ist ein zutiefst innerer und intimer Prozess, so darf das gemeinsame Beten auch langsam erprobt und erlernt werden. Wie kann das konkret aussehen?
Letzte Woche waren wir bei einem Familiengottesdienst und durften eine tolle Kinderpredigt unserer Freundin hören von der wir auch selbst etwas mitgenommen haben. Sie zeigte uns ein Kinderkeyboard mit allem drum und dran. Mit Lichtern und Tönen – also ein Spielzeug bei dem wir Eltern uns eigentlich die Ohren zuhalten wollen.
Zwei Säulen mit einem Dach, unserem Beziehungsdach. Dieses Bild ist uns in unserer Geschichte miteinander wichtig geworden. Zwei Menschen, die sich auf Augenhöhe begegnen und gemeinsam die Basis für unsere Beziehung und Ehe sind. Dabei haben wir immer wieder auf die „Bausubstanz“ der jeweiligen Säule geschaut, denn diese beiden Säulen sind sehr unterschiedlich.
„Als Mann muss ich immer neu um meine Frau werben. Wie habe ich damals, als wir uns erstmalig kennenlernten, um die Frau geworben? Ich habe Ehrfurcht vor ihrer Persönlichkeit gehabt. Ich habe den Mut gehabt, mich als Charakter zu geben, um ihre Ehrfurcht mir gegenüber zu wecken. So wie ich in dieser Zeit mich nicht habe gehen lassen, so darf ich mich auch später nicht gehen lassen.
Vor einem Jahr sind wir in unser neues Haus gezogen und haben uns bewusst dagegen entschieden einen Fernseher ins Wohnzimmer zu stellen. Das Ziel: weniger Versuchung durch die Medien für uns, aber vor allem für unsere Kinder. Die Erkenntnis: was ist schon ein Fernseher, wenn es Smartphones und Laptops gibt… Uns wurde schnell klar: der Fernseher ist überhaupt nicht das Problem, Smartphone und Laptop dagegen schon.
Wie selbstverständlich sitzt unser fast 3-jähriger Sohn am Smartphone wischt von Foto zu Foto oder zeigt seinem Opa, wie man eine Sprachnachricht auf Whatsapp verschickt. Jetzt ist es ja nicht so, dass er einfach uneingeschränkten oder gar unbeaufsichtigten Zugang zu unseren Smartphones hätte, aber die intuitive und einfache Bedienung ermöglichen schnelles Lernen. Das was Mama und Papa vormachen, wird schonungslos imitiert, das gilt neben manch achtloser Wortwahl nun mal auch für die Nutzung digitaler Medien.

Als “digital natives” wächst diese nächste Generation wie selbstverständlich mit digitalen Medien von Handy bis Smart-Home-Assistenten auf. Als Eltern sind wir gefordert unseren Kindern einen guten Umgang mit digitalen Medien beizubringen ohne dabei auf Erfahrungen von vorherigen Generationen zurückgreifen zu können. Das löst bei vielen Familien ein Gefühl der Überforderung aus. Und noch ein anderer Aspekt, haben wir selbst die Medien im Griff oder sie vielmehr uns?
Einladung zum Austausch:
Es ist 5.29 Uhr. Für unseren schlagartig sehr wachen Sohn ist die Nacht beendet und er möchte gerne Kaba trinken gehen. Heute soll es aber nicht wie gewohnt seine Tasse, sondern ein schmales Glas zum Trinken sein. Schlaftrunken willige ich ein. Natürlich muss er mit seinen fast drei Jahren auch gerade alles selbst machen. Eigentlich gelingt es ihm auch meist die Milch aus der Glasflasche einzugiessen – doch heute natürlich nicht. Die Milch läuft unters Küchengerät, in die Besteckschublade und den frisch gewischten Küchenboden. Uff..!

Als ich gerade zum Schimpfen ansetzen möchte, fällt mir der Artikel aus einer Familienzeitschrift ein, den ich als einzigen in der dieser Woche geschafft hatte zu lesen. Darin ging es um den Umgang mit Fehlern und die Frage, warum Eltern ihre Kinder schimpfen, wenn sie sich und ihr Können ausprobieren, wo wir doch wissen, dass man oftmals nur so lernen kann. Auch ein Spruch ist mir dabei in den Sinn gekommen: „Ich habe so viel aus meinen Fehlern gelernt, dass ich darüber nachdenke noch ein paar mehr zu machen.“ Ich atme also tief durch, wische mit ihm die Sauerei auf und erkläre ihm das Einschänken in schmale Gläser. Etwas später am Frühstückstisch entsteht ein Gespräch über die Fehlerkultur in unserer Familie, das uns angeregt hat über die folgenden Fragen nachzudenken:
Vom Leuchtende-Augen-Index: Was in uns klingt
>> Artikel von Michael Defrancesco